Stadtsportverband Sankt Augustin |
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2003 Sportlerehrung 2003 in Sankt Augustin, Informationen hierzu
2003 Fotos von der Sportlerehrung 2003 liegen vor
2003 Erfolgreiche Sportbogen – Schützen in Sankt Augustin - Menden
2003 Wirbelsäulengymnastik und Rückenschule in Birlinghoven
2003 Kriterienkatalog der Sportler/innen Ehrungen der Stadt Sankt Augustin
2003 Prof. Dr. Walter Tokarski, Rektor der Sporthochschule Köln zum Thema
2003 Wir lernen nicht nur in der Schule! Im Sportverein Schlüsselqualifikationen erwerben
2003 Offene GanztagsGrundschule - Chance oder Risiko für die Sportvereine?
2003 Stellungnahme von LandesSportBund und Sportjugend NRW zum Erlass OGS
2003 Offene Ganztagsschule in der Primarstufe. Für den Sport ein vorrangiges Thema?
2003 Neue Broschüre “Offene Ganztagsschule”
Ein umfangreiche Auswahl an Einzelfotos die Anläßlich der Siegerehrung 2003 erstellt wurden stehen zur Ansicht und zum Erwerb im “ media lab” im Huma Einkaufspark zur Verfügung. Media lab (Bilder-Center-Sankt Augustin) finden Sie auf der Einkaufsebene Marktplatte des Einkaufspark. Fragen Sie dort nach den Fotos der Sportlerehrung 2003.
Auszüge der Fotos finden Sie in der Fotogalerie - Sportlerehrung 2003
Sportlerehrung in der Stadt Sankt Augustin 2003
Am 12. Dezember 2003 wurden im Ratssaal der Stadt Sankt Augustin die Ehrungen für erfolgreiche Sportler/innen, Übungsleiter/innen, Schiedsrichter, Sportjournalist und Ehrenamtler durchgeführt.

Die Begrüssung der zahlreich anwesenden Gäste aus Sport und Politik erfolgte durch Wilfried Wessel, 1. Vorsitzender im Stadtsportverband Sankt Augustin e.V.
Bürgermeister Klaus Schumacher lobte die Arbeit der Vereine als einen wichtigen Faktor für das umfangreiche Sportangebot in Sankt Augustin. Er sprach den zu Ehrenden seine Anerkennung und Respekt für ihre Leistungen aus.
Er verwies darauf, dass es in Sankt Augustin 47 Sportvereine mit 13.540 Mitgliedern gibt. Davon sind:
- 5.984 weiblich
- 7.556 männlich
- 4.826 bis 18 Jahre
- 3.124 19 bis 40 Jahre
- 5.590 41 bis >60 Jahre
Sebastian Schuster, Präsident des KreisSportBund Rhein-Sieg e.V. überbrachte Grüße des Sportbundes und war sehr erfreut über die Worte des Bürgermeisters, dass in Sankt Augustin der Sport auch in finanzilellen schwierigen Zeiten die Unterstützung der Stadt hat.
Die Moderation der Sportlerehrung führte Dr. Karl Lennartz gekonnt mit sportlichen Sachverstand durch.
Im Rahmen der Sportlerehrung wurde die anspruchsvolle Ausstellung “Olympische Siege” konzipiert von Karl Lennartz in Zusammenarbeit mit der Sparkassenstiftung für den Rhein-Sieg-Kreis und eine umfangreiche “Olympische Medailliensammlung” gezeigt.
Vervollständigt und abgerundet wurde die Veranstaltung durch den musikalischen Auftritt des Holzbläser Ensemble „Classic and more“ unter der Leitung von Beate Müller der Musikschule Sankt Augustin und der Show-Tanz Gruppe „Dance 4 Fans“ aus der Tanzschule Rose in Sankt Augustin unter der Leitung von Katja Sinko.
Geehrt wurden für Ihre besonderen Leistungen und Einsatz im Sport durch den Bürgermeister Klaus Schumacher und Wilfried Wessel:
Ehrenamt
Erich Müller
DRLG Sankt Augustin
Übungsleiterin
Rosemarie Papke
TV Hangelar 1962 e.V.
Übungsleiterin
Ingeborg Gerding
SV Birlinghoven 1948 e.V.
Übungsleiterin
Helga Kohn
TV Hangelar 1962 e.V.
Übungsleiter
Gerd Heitmann und Willi Schluß
TSG Sankt Augustin e.V.
Ehrenamt
Hans Zimmermann
VfR Hangelar e.V. 1912
Sportjournalist
Werner Freytag
Leichtathletik Verband
Jugendleiterin
Ines-Susen Hassel-Frings
ASV Sankt Augustin 1956 e.V.
Schiedsrichter-Handball
Egon Schoepke
TuS Niederpleis 1901 e.V.
Schiedsrichter-Handball
Willi Kurscheid
VfL Sankt Augustin 1902 e.V.
Schiedsrichter-Hockey
Marc Knülle
SSG Sankt Augustin e.V.
Ehrenamt
Willi Schopp
TuS Buisdorf 1900 e.V.
Sportler/innen:
Bogenschiessen
Familie Wehner
Schützenbruderschaft „St. Sebastianus“ Menden 1642 e.V.
Christian Wehner
12 Jahre alt
Thomas Wehner
16 Jahre alt
Monika Wehner
Bogenschiessen
Günter Wolff
Sankt Sebastianus Menden
Florett - Fechten
Ute Wessel
OFC Bonn
Judo
David Reuschenberg
Beueler-Judo-Club
Judo
Stefan Tiller
Beueler-Judo-Club
Judo
Wolfgang Dax-Romswinkel
Beueler-Judo-Club
Leichtathletik
Gundula Tost
ASV Sankt Augustin
Moderner Fünfkampf
Karen Simon
SSF Bonn
Triathlon-Biathle
Hans-Jörg Kuck
Troisdorf LG
Sommerbiathlon
Martin Königsfeld
St. Hubertus Limperich Beuel
Tanzen-Paare
Sonja Sander-Michael Esser
TSC Royal Bonn
Tanzen-Paare
Lydia Dihlmann-Weißer Martin Dihlmann
Life-Garden Sankt Augustin
Squash
Frauenmannschaft
1. SBC Sankt Augustin e.V.
Tischtennis
Jugendmannschaft
TG Sankt Augustin 1973 e.V.
Fußball
1. Frauenmannschaft
FC Sankt Augustin 1978 e.V.
Erfolgreiche Sportbogen – Schützen in Sankt Augustin
Die Sankt Sebastianus Schützenbruderschaft Menden 1642 e.V. kann herausragende Erfolge und Titel ihrer Aktiven, die auf Kreis-, Bezirks- und Landesebene und Deutschen Meisterschaften hervorragende Ergebnisse erzielt haben, verweisen:
SPORTART - BLANKBOGEN (ohne Zielhilfe):
Christian Wehner, 12 Jahre
2. Platz DBSV Deutsche Hallenmeisterschaft in Doebeln März 2003, Klasse U 14
4. Platz DBSV Deutsche Feldbogenmeisterschaft Waldrunde in Gronau August 2003, Klasse U 20
Thomas Wehner, 16 Jahre
1. Platz DBSV Deutsche Hallenmeisterschaft in Doebeln März 2003,
Klasse U 17
2. Platz DSB Deutsche Feldbogenmeisterschaft in Wirsberg August 2003, Klasse Junioren
1. Platz DBSV Deutsche Feldbogenmeisterschaft Jagdrunde in Gronau August 2003, Klasse U 20
2. Platz DBSV Deutsche Feldbogenmeisterschaft Waldrunde in Gronau August 2003, Klasse U 20
Mitglied Feldbogenkader des Rheinischen Schützenbundes
Inhaber der Deutschen Rekorde DBSV Klasse U 17:
Halle 18 Meter, Halle 25 Meter, Halle 18 Meter mit der Mannschaft
Monika Wehner, 47 Jahre
1. Platz DBSV Deutsche Hallenmeisterschaft in Doebeln März 2003, Klasse Damen
2. Platz DBSV Jahresbestenschiessen FITA-Runde (Vorläufer zur Dt. Meisterschaft) in Weyher September 2003, Klasse Damen
Inhaberin der Deutschen Rekorde DBSV:
Halle 18 Meter Klasse Damen, Halle 18 Meter Klasse Damen Ü 40
Diese drei Schützen sind in Sankt Augustin ansässig.
Ein weiteres erfolgreiches Mitglied wohnt in Neunkirchen:
Günter Wolff, 48 Jahre
2. Platz DBSV Deutsche Feldbogenmeisterschaft Jagdrunde in Gronau August 2003, Klasse Ü 45
1. Platz DBSV Deutsche Feldbogenmeisterschaft Waldrunde in Gronau August 2003, Klasse Ü 45
Mitglied Feldbogenkader des Rheinischen Schützenbundes
Inhaber der Deutschen Rekorde DBSV, Klasse Ü 45:
Halle 25 Meter, Halle 18 Meter mit der Mannschaft
Neben dem Deutschen Schützenbund = DSB nehmen unsere Bogensportler auch an den separaten Deutschen Meisterschaften des Deutschen Bogensportverbandes = DBSV teil.
Verfasser des Textes: Hans Wehner, Pressewart der Sankt Sebastianus - Schützenbruderschaft Menden 1642 e.V.
Regelmäßiges Kursangebot des SV Birlinghoven 1948 e.V.
Wirbelsäulengymnastik und Rückenschule:
Der aufrechte Gang hat unseren Rücken zu einem störanfälligen Körperbereich gemacht. Um uns gut durchs Leben zu tragen braucht die Wirbelsäule eine ausgewogene und harmonische Rücken- und Bauchmuskulatur.
Schwerpunkt dieses Kurses sind funktionelle Übungen, die den Rücken trainieren und somit Haltungsschäden im Bereich der Wirbelsäule entgegenwirken.
Wahrnehmungs- und Entspannungsübungen.
Dieser Kurs ersetzt keine med. physiotherapeutische Behandlung.
Inhalte und Ziele:
a.) Verbesserung der motorischen Eigenschaften wie Kraft, Beweglichkeit und Koordination in Form einer funktionellen Gymnastik mit Einsatz von Kleingeräten und Musik.
b.) Körperwahrnehmung als Grundlage zu einer gesundheitsorientierten, rückenfreundlichen Veränderung des Verhaltens im Alltag, sowie praxisnahe Tipps.
c.) Haltungsschulung (Prävention) eine wichtige Komponente besteht darin, die Leistungsfähigkeit, sowie die Verbesserung der Haltungs-Bewegungsqualität zu fördern.
Ihre Ansprechpartnerin:
Inge Gerding,
anerkannte diplomierte Übungsleiterin für Wirbelsäulengymnastik und Rückenschule ausgezeichnet durch den Landessportbund.
Tel. 02241-331701
Die Kurse werden im Haus Lauterbach in Sankt Augustin - Birlinghoven, Mühlenweg durchgeführt.
KRITERIENKATALOG SPORTLER/INNEN-EHRUNGEN DER STADT SANKT AUGUSTIN
Nach Ziffer 8.2 der Richtlinien für die Sportförderung in der Stadt Sankt Augustin wird dem/der Bürgermeister/in empfohlen, Sankt Augustiner Sportler/innen oder Vereine bei Erringung von Meisterschaften besonders zu ehren.
Gemäß § 3 der Satzung des Stadtsportverbandes Sankt Augustin (SSV) obliegt dem SSV u.a. die Koordination bei der Planung, Organisation und Durchführung von Sportlerehrungen.
In Absprache mit der Stadtverwaltung erarbeitet der SSV hierzu als messbare Grundlage einen Kriterienkatalog für die von den Vereinen zu unterbreitenden Vorschläge.
Die Sportler/innen-Ehrung wird vom/von der Bürgermeister/in und dem SSV Vorstand/Jugendvorstand vorgenommen.
Die Sankt Augustiner Vereine sollen Personen und/oder Mannschaften vorschlagen, bei denen besondere sportliche, oder die Ausübung des Sports unterstützende Leistungen gewürdigt werden sollen.
Darüber hinaus können der/die Bürgermeister/in und der SSV auch verdiente Sankt Augustiner Sportler/innen vorschlagen, die in auswärtigen Vereinen tätig sind.
Der SSV erstellt aus den von den Vereinen auf der Grundlage des Kriterienkatalogs vorgelegten Nominierungen eine Gesamtvorschlagsliste – der Vorstand der Sportjugend eigenständig für den Bereich der Jugend – und übergibt sie dem Dezernent für Jugend, Soziales, Schule, Sport und Kultur, der sie an den Bürgermeister/in weiterleitet.
Kriterienkatalog:
Teilnahme von Einzelsportler/innen und/oder Mannschaften an Landes-, Bundes- oder internationalen Meisterschaften
Aufstieg von Einzelsportler/innen und/oder Mannschaften in eine hohe Leistungsklasse
Übungsleiter, Betreuer, Helfer, die sich in besonderer Weise um den Sport in Sankt Augustin verdient gemacht haben
Vereine für durchgeführte Veranstaltungen mit bedeutendem sportlichen und werbenden Wert für Sankt Augustin
Vereine/Vereinsmitarbeiter für besondere Verdienste im Jugend- und Behindertensport
Jüngste/Älteste Teilnehmer/innen an der jährlichen Sportabzeichenaktion des LSB NRW, häufigste Wiederholungen
Einzelsportler/innen und/oder Mannschaften für herausragendes Gesamtbild oder Einzelaktionen im Rahmen der Fairness im Sport
20.06.2003 Stadtsportverband Sankt Augustin e.V.
Ein Kommentar von Michael Heise (Foto) vom LSB-NRW)
Viele Eltern und auch viele Kinder werden sich über die kommende offene Ganztagsgrundschule freuen. Schon in den nächsten Wochen wird mit der Umsetzung begonnen. In NRW vorerst in 300 Grundschulen. In den nächsten Jahren wird das Angebot Zug um Zug ausgebaut. Damit wird es vielen Eltern leichter fallen, den Alltag zu organisieren.
Die Kinder werden über Mittag bis in den Nachmittag hinein betreut. Von wem möchten Sie wissen? Es gibt eine Menge Verbände, die das übernehmen wollen, auch kommerzielle Anbieter und "gemeinnützige GmbHs" stehen schon wartend in den Startlöchern. Wie könnte es anders sein, es geht dabei auch ums Geld. Bund, Länder und Eltern werden für die Ganztagsbetreuung zahlen.
Rechtzeitig Weichen stellen
Der Erlassentwurf "Offene Ganztagsgrundschule" fordert, dass im Rahmen der Ganztagsbetreuung ein tägliches Angebot zu Bewegung, Spiel und Sport vorgehalten werden soll. Wer für die Durchführung dieses Angebots verantwortlich sein soll, ist noch nicht formuliert. Da ist es richtig, dass LandesSportBund und Sportjugend fordern: Nicht fachfremde Organisationen sollen den Sport anbieten, sondern qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sportvereine und Sportorganisationen vor Ort!
LandesSportBund und Sportjugend werden durch Koordinations-, Informations- und Beratungstätigkeit die Aktivitäten vor Ort unterstützen. Wichtig ist aber auch vor allem, dass die Vereinsvorstände erkennen, welche Chancen und Gefahren auf sie zukommen und sie rechtzeitig die Weichen für eine Kooperation mit der Schule stellen.
Denn Kinder, die durch andere Organisationen ein sportliches Angebot am Nachmittag erhalten, sind vielleicht für den Vereinssport verloren, haben keine Zeit und Lust mehr, ein sich anschließendes Angebot des Sportvereins zu nutzen. Eine eigene Sportkultur könnte sich entwickeln. Schulsportclubs wie in den USA und anderswo könnten die Sportvereine in ihrer Nachwuchsarbeit bedrohen. Deshalb ist es unbedingt richtig, dass die Sportvereine sich offensiv als kompetente Partner für die Ganztagsbetreuung anbieten.
Der Sport braucht dabei aber die Hilfe und Unterstützung der Politik. Die Gefahren, die dem Vereinssport drohen, sollten im Erlass Berücksichtigung finden. So könnte ja formuliert werden, dass an erster Stelle die Sportvereine für das tägliche Bewegungs-, Spiel- und Sportangebot in den Schulen, wohlgemerkt nur im Nachmittagsbereich, zuständig sind.
Stellungnahme von LandesSportBund und Sportjugend NRW zum Erlass Offene Ganztagsgrundschule auch mit Sportvereinen
Mit der "Offenen Ganztagsgrundschule" wird die Landesregierung Nordrhein-Westfalen noch in diesem Jahr die Palette der bestehenden Ganztagsangebote an Schulen erweitern. Wie schon bei den bisherigen Programmen "13 Plus" und "Landesjugendplan Pos. IV.1" verbinden sich mit diesen Entwicklungen Chancen und auch Risiken für den Kinder- und Jugendsport.
Risiken für den Kinder- und Jugendsport der Vereine ergeben sich durch die längere Bindung der Kinder am Nachmittag, durch die erweiterte Belegung von Sportstätten und auch durch die Bindung von qualifiziertem Personal in den finanziell relativ gut ausgestatteten Bewegungs-, Spiel- und Sportangeboten in der Ganztagsbetreuung. Andererseits wünscht die Politik, dass die Sportorganisation sich aktiv an der Ausgestaltung der Ganztagsangebote beteiligt.
Um diese Zuweisung auch einlösen zu können, erwarten LandesSportBund / Sportjugend NRW allerdings konkrete Hilfen und Unterstützungsleistungen von der Politik und aus den Ministerien. Auf dieser Basis haben LandesSportBund / Sportjugend NRW eine Stellungnahme zum Erlassentwurf "Offene Ganztagsgrundschule" abgegeben. Auszugsweise heißt es dort:
Der LandesSportBund Nordrhein-Westfalen ist nicht nur der Sportanbieter des Landes NRW (ca. 20.000 Vereine, ca. 5 Mio. Mitglieder, ca. 77.000 Übungsleiter/innen), sondern repräsentiert mit seiner Sportjugend, die nach § 75 SGB VIII (KJHG) als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt ist, auch die mit weitem Abstand größte Kinder- und Jugendorganisation des Landes (ca. 1,5 Mio. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre).
(…)
Der Erlass fordert, dass im Rahmen der Ganztagsbetreuung ein tägliches Angebot zu Bewegung, Spiel und Sport vorgehalten werden soll. LandesSportBund NRW und Sportjugend NRW sind dabei der Auffassung, dass das Angebot nicht von fachfremden Organisationen, sondern durch die qualifizierten Mitarbeiter/ innen des Sports vor Ort durchgeführt werden muss. In Frage dafür kommen die Mitarbeiter/innen der Sportvereine im sozialen Nahraum bzw. der örtliche Stadt- oder Kreissportbund und Fachverbände.
Der LandesSportBund Nordrhein-Westfalen und die Sportjugend NRW werden durch eine landesweite Koordinations-, Informations- und Beratungstätigkeit die Aktivitäten vor Ort unterstützen. Die zahlreichen bereits bestehenden Kooperationen von Grundschulen und Sportvereinen im außerunterrichtlichen Schulsport sind zu schützen und zu integrieren.
(…)
Um dem Bildungsanspruch unserer Kinder (auch in den Bewegungs-, Spiel- und Sportangeboten) auf einem hohen Niveau und mit ausreichender Qualität gerecht zu werden, muss die Bildungs- und Erziehungsarbeit der Schule mit den Bildungsleistungen der freien Träger/der Träger der freien Jugendhilfe verzahnt werden. Voraussetzung dafür sind eine entsprechende finanzielle Grundlage, eine tragfähige Kooperationsplattform zur Planung und Umsetzung der Angebote und das systematische Anlegen von Zugängen für die Träger der freien Jugendhilfe (insbesondere die Sportvereine) und andere Anbieter einzelner Angebotsmodule.
Diese drei Voraussetzungen sind zu schaffen und abzusichern.
Bericht Stefan Formella
Der Erlass "Offene Ganztagsgrundschule" ist nachzulesen unter: www.bildungsportal.nrw.de/
Artikel aus Sportjugend-NRW
Wir lernen nicht nur in der Schule!
Auch im Sportverein werden Schlüsselqualifikationen erworben
Heiße Debatten um den Bildungsbegriff in den Workshops während der Jahrestagung der Sportjugend in Hachen
Untersuchungen stellen fest, dass 70 bis 80 Prozent des Lernens außerhalb der Schule und ein großer Anteil davon in Bildungsprozessen der Kinder- und Jugendarbeit stattfindet. In der augenblicklichen bildungspolitischen Diskussion über die Konsequenzen aus der PISA-Studie findet dieser Bereich kaum Beachtung!
Die ist umso verwunderlicher als es in den Leipziger Thesen aus dem Jahre 2002 heißt: "Bildung ist der umfassende Prozess der Entwicklung und Entfaltung derjenigen Fähigkeiten, die Menschen in die Lage versetzen, zu lernen, zu handeln, Probleme zu lösen und Beziehungen zu gestalten. Junge Menschen in diesem Sinne zu bilden, ist nicht alleine Aufgabe der Schule. Gelingende Lebensführung und soziale Integration bauen auch auf Bildungsprozesse in der Kinder- und Jugendarbeit."
Die Kinder- und Jugendarbeit, auch des Sports, muss dieses deutlich herausstellen, denn sonst ist zu befürcheten, dass die zukünftige Sicherung der Rahmenbedingungen für den Jugendsport der Vereine gefährdet ist. Das heißt nichts anderes als dass Kürzungen von Fördermitteln drohen oder Sporträume nicht mehr im bisherigem Umfang zur Verfügung stehen.
Teil der Qualitätsoffensive
Auf der Jahrestagung der Sportjugend in Hachen setzte Vorstandsmitglied Roland Grabs bei dieser Situationsanalyse an und machte klar, welche "Bildungsprozesse" in einem Sportverein entfaltet werden. Roland Grabs, der durch die Moderatoren anschließend den neuen Titel "Bildungspapst der Sportjugend" erhielt, schilderte in seinem Referat beispielhaft und praxisorientiert am Beispiel von "Viererkette und Korbleger", dass auch in Sportvereinen Kinder und Jugendliche Schlüsselqualifikationen wie Team- und Konfliktfähigkeit, Kooperations- und Kommunikationskompetenz erlernen. Wie wichtig Bewegung, Spiel und Sport sei, um den eigenen Körper zu erschließen, zu dem zweifelsfrei auch der Kopf gehöre, ist im Rahmen der Bildungsdiskussion wahrscheinlich noch am einfachsten zu transportieren, so das Fazit von Roland Grabs.
Auch Silke Stockmeier, stellv. Vorsitzende und Dirk Mays, Vorsitzender der Sportjugend NRW, unterstrichen die außerordentliche Bedeutung des Themas: "Unsere Tagung findet genau zum richtigen Zeitpunkt mit dem richtigen Thema statt." Beide sind sich einig, dass die Ergebnisse der Diskussionen zum Bildungsbegriff letztlich in die Qualifizierungskonzeptionen einfließen müssen als Teil der Qualitätsoffensive der Sportjugend NRW. Auf kommunaler Ebene soll vernetztes Arbeiten mit anderen Trägern erfolgen. "Hier müssen wir gegebenenfalls über ein Pilotprojekt nachdenken", sagte Dirk Mays.
Text: Michael Heise. Copyright Sportjugend Nordrhein-Westfalen am 03.02.2003
Neue Broschüre “Offene Ganztagsschule
In einem nächsten Schritt wollen LandesSportBund und Sportjugend NRW eine landesweit gültige Rahmenvereinbarung mit der Landesregierung erarbeiten, um die Priorität von Sportvereinen als Anbieter von Bewegung, Spiel und Sport im Konzept der "Offenen Ganztagsschule" festzuschreiben.
Zum weiteren Informationsangebot gehört außerdem die jetzt vom LandesSportBund herausgegebene Broschüre "Sport in der Ganztagsbetreuung". Sie soll den Sportorganisationen bei der weiteren Planung und Durchführung von Ganztagsangeboten helfen und informiert über Erlasse und Richtlinien sowie über mögliche Konsequenzen der Ganztagsschule für die Sportentwicklung. Außerdem beschreibt sie die konkreten Handlungsschritte, die erforderlich sind, wenn sich Sportvereine und -verbände mit Angeboten in der Ganztagsbetreuung engagieren.
Offene Ganztagsschule in der Primarstufe. Auch für den Sport ein vorrangiges Thema!
Mit Beginn des Schuljahres 2003/2004 werden ca. 300 Grundschulen den Einstieg in eine offene Ganztagsbetreuung wagen. Dabei soll auch Bewegung, Spiel und Sport ein wichtiger Bestandteil sein. Wir als Sportorganisationen sind dringend aufgefordert, mitzumachen, weil
wir als qualifizierte Sportanbieter auch diejenigen sein sollten, die diese Angebote durchführen und nicht andere, denn mittlerweile bieten sich Wohlfahrtsverbände und andere Träger bereits für die Durchführung von Sportangeboten an!
wir unsere Sportangebote an die Schüler/innen bringen wollen!
wir die Belegungszeiten in den Sportstätten nicht verlieren wollen!
qualifizierte Übungsleiter/innen für die eigene Sportorganisation in der Schule tätig werden bzw. bleiben sollen!
nur dann einer Gefährdung der eigenen Nachwuchsarbeit entgegengewirkt werden kann!
alle Schülerinnen und Schüler auch nachmittags ein qualifiziertes Bewegungs-, Spiel- und Sportangebot brauchen!
Deshalb ist es für den Sport so wichtig, sich mit seiner Kompetenz in die Ganztagsschule einzubringen.
Was ist zu tun?
Erkundigen Sie sich beim Schulträger (Schulverwaltungsamt), welche Schulen in Ihrem Einzugsgebiet Offene Ganztagsschulen werden sollen.
Bieten Sie sich beim Schulträger als kompetenter Partner für das tägliche Bewegungs-, Spiel- und Sportangebot an, möglichst bis zum 10. April, da die Schulträger bis Ende Mai 2003 ihre Anträge einreichen müssen.
Melden Sie eine Ansprechperson für alle Belange der Ganztagsbetreuung dem LandesSportBund /der Sportjugend Nordrhein-Westfalen.
Interessierte melden und informieren sich bei:
LandesSportBund Nordrhein-Westfalen/Sportjugend NRW
Dirk Hoffmeier, Telefon 0203-7381-899, E-mail: dirk.hoffmeier@lsb-nrw.de
Siggi Blum, Telefon 0203-7381-848, E-mail: siggi.blum@lsb-nrw.de
Petra Dietz, Telefon 0203-7381-879, E-mail: petra.dietz@lsb-nrw.de
Matthias Kohl, Telefon 0203-7381-925, E-mail: matthias.kohl@lsb-nrw.de
Ganztagsschule – Probleme für Sportvereine?
Vortrag am 25. Juni 2003 beim Stadtsportverband Sankt Augustin ![]()
Prof. Dr. Walter Tokarski - Rektor der Deutschen Sporthochschule Köln
Ich
bin gebeten worden über das Thema “Ganztagsschule – Probleme für Sportvereine?” zu sprechen. Ich tue dies gerne, da nicht nur die aktuelle Situation dies erfordert, sondern auch weil ich meine, dass über die Wechselbeziehung zwischen Schule und Sportvereinen in Deutschland bei Weitem noch nicht ausreichend gesprochen worden ist. Im Hinblick auf Ganztagsschule und Ganztagsbetreuung ist dies erst recht nicht geschehen. Wenn wir tatsächlich vorhaben unser Schulsystem perspektivisch flächendeckend von der Halbtagsschule auf die Ganztagsschule umzustellen, dann stehen wir vor einigen gravierenden Veränderungen, auf die ich heute gerne aufmerksam machen möchte.
Ich werde mich dabei an drei Leitfragen orientieren:
1.) Wie sieht die Wechselbeziehung zwischen Schule, Freizeit und Vereinen heute aus?
2.) Was werden wir morgen haben, wenn Ganztagsschule und Ganztagsbetreuung Wirklichkeit sind?
3.) Wie sehen die neuen Aufgaben für die Sportvereine in diesem Zusammenhang aus?
Zur Wechselbeziehung von Schule, Freizeit und Sportverein heute
Zunächst zum Prinzip der Ganztagsschule einige Informationen allgemeiner Art:
Auslöser zur Einrichtung ist die PISA-Studie: Mehr Unterricht und mehr Lernen, so lautet das Motto als Folge der Studie. Es gibt in NRW zwei Arten von Ganztagsschulen:
die Gebundene Ganztagsschule (Sek. I) – 8 bis 16 Uhr verpflichtend
die Offene Ganztagsgrundschule – 8 – 16 Uhr, nach Schulschluss freiwillig. Partner sollen sein Wohlfahrtsverbände, Jugendpflege und auch Vereine, insbesondere Sportvereine.
Im Folgenden beziehen sich die Ausführungen auf die Offene Ganztagsgrundschule.
Einige Zahlen zur Finanzierung: Bis 2007 ist die Finanzierung in NRW für 200.000 Plätze sichergestellt. Pro Platz entstehen Kosten von z.Z. € 1.230, wovon das Land NRW € 820 übernimmt, € 410 die Kommunen, davon Eigenbeteiligung der Eltern bis zu € 100 monatlich. Für Baumaßnahmen werden bis 2007 vom Bund für NRW 914 Mio € bereit gestellt. Bauvorhaben der Modellschulen werden dabei mit bis zu € 80.000, Ausstattungen mit bis zu € 25.000 und Außenanlagen mit bis zu € 10.000 gefördert. Der Eigenanteil der Kommunen liegt bei 10 %.
Wer als außerschulischer Partner am Programm der Offenen Ganztagsgrundschule mitmachen will muss einen Vertrag mit der Kommune abschließen. Vom Schulministerium wird nach den Worten der NRW Schulministerin Schäfer vor dem Freiburger Kreis angestrebt Sportvereinen den Vorzug zu geben.
Beide Schulformen werden verstanden als “Ganztägiges Haus des Lernens” mit einer “neuen Lernkultur” (NRW Schulministerin Schäfer am 26.2.2003 vor dem Freiburger Kreis).
Soweit einige Grundinformationen.
Wir haben heute in Deutschland ein seit mehr als fünfzig Jahren gewachsenes, erprobtes und ausbalanciertes System der “Arbeitsteilung” zwischen Schulpflichten und Freizeit. Dies sieht im Wesentlichen so aus:
Am Vormittag sind die Schulen für die Kinder und Jugendliche verantwortlich, am Nachmittag haben sie Freizeit. Diese Freizeit verbringen viele Kinder und Jugendliche in Deutschland in Vereinen, insbesondere in Sportvereinen.
An fünf Wochentagen gehen Kinder und Jugendliche in Deutschland in die Schule, am Wochenende haben sie Freizeit. Auch diese Freizeit wird - oft gemeinsam mit den Eltern - in Vereinen und speziell in Sportvereinen verbracht.
Dieses “arbeitsteilige” System zwischen Schulen und Sportvereinen stellt die Schulen nicht vor die Aufgabe für die Freizeit der Schülerinnen und Schüler verantwortlich zu sein, und es bietet auf der anderen Seite den Sportvereinen die Möglichkeit, die vorhandene Freizeit der Schülerinnen und Schüler sinnvoll mitgestalten zu können.
Dieses System soll mit Einführung der Ganztagsgrundschule und Ganztagsbetreuung nicht mehr tragen. Haben wir also zukünftig eine Schule, die auch für die Freizeitgestaltung verantwortlich ist, eine Schule, in der die Kinder und Jugendlichen bis in den Nachmittag hinein gebunden sind, und in der auch die Sport- und Bewegungsangebote stattfinden, die bislang außerhalb der Schule erfolgt sind? Was ist dann mit den Sportvereinen, bleiben sie dann außen vor?
Diese Fragen sind durchaus berechtigt, denn wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass die Einführung der Ganztagsschule bzw. der Ganztagsbetreuung erhebliche Auswirkungen auf die Vereinslandschaft haben wird. Die Sportvereine sind darauf angewiesen, dass ihre wichtigste Zielgruppe auch am Nachmittag für Angebote offen ist. Bei einer flächendeckenden Einführung der Ganztagsschule und Ganztagsbetreuung bleibt den Vereinen für die Kinder- und Jugendarbeit eigentlich nur noch das Wochenende übrig. Dies betrifft nicht nur den Freizeit- und Breitensport, sondern in besonderem Maße auch den Wettkampfsport. Viele sportliche Wettkämpfe der Kinder und Jugendlichen in Vereinen finden an Werktagen am Nachmittag statt, und dies muss auch letztlich so sein, damit am Wochenende überwiegend die Wettkämpfe der Erwachsenen ausgetragen werden können. Trainingszeiten für Kinder und Jugendliche ist ebenfalls vornehmlich an den werktäglichen Nachmittagen angesetzt. Es sieht also auf den ersten Blick so aus, als ob die Ganztagsschule sowie die Ganztagsbetreuung unser bestehendes Vereinssystem grundlegend beschneidet und kappt. Die Verantwortlichkeit für die Freizeit der Kinder und Jugendlichen würde stärker in die Hand der Schule gelegt, die Sportvereine müssten die Lücke, die durch den Wegfall einer ihrer wichtigsten Zielgruppen entstünde, auf kreative Art und Weise füllen um ihre Existenz weiterhin sichern zu können.
Es ist klar, dass eine solche Umstellung von Seiten der Sportvereine kaum gewünscht ist, dass die Vereine große Gefahren darin sehen, und dass eine Umstellung auch kurzfristig nicht möglich ist: Wir können meines Erachtens nach nicht kurzfristig ein traditionelles ausbalanciertes System zwischen Schule und Verein, wie wir es hier in Deutschland derzeit haben, durch ein neues System ersetzen. Wir müssen einen fließenden Übergang schaffen, der beide Systeme miteinander verbindet und Kooperationen ermöglicht. Und dies ist insbesondere das Feld, woraus zum gegenwärtigen Zeitpunkt neue Aufgaben für die Sportvereine erwachsen könnten, nämlich dann, wenn diese Phase des Übergangs nicht als Gefahr, sondern als Herausforderung und als Chance begriffen wird. Da die gesellschaftspolitische Entscheidung Ganztagsschulen und Ganztagsbetreuung einzurichten offensichtlich gefallen ist, kommt es jetzt darauf an, die daraus neu entstehende Situation mitzugestalten. Jeder Sportverein muss seine Kompetenzen in die aktuelle Entwicklung einbringen und selbst aktiv in die Entwicklung eingreifen. Es wäre in jedem Falle falsch darauf zu warten, dass aus dem Schulministerium ein neuer Aufgabenkatalog für Sportvereine herausgegeben wird, was auch nicht Aufgabe des Ministeriums sein kann.
Konfliktpotenziale und Konfliktfelder
Wo liegen im Einzelnen die möglichen Konfliktpotenziale im Verlauf dieses Übergangs von der Halbtags- zur Ganztagsschule bzw. Ganztagsbetreuung?
“Wenn unsere Kinder den ganzen Tag in die Schule gehen, wird Ihnen die Freizeit genommen und Schule daraus gemacht.” So, oder ähnlich lauten die Kommentare von Kritikern, wenn es um das Thema “Ganztagsschule” geht. Es scheint in der Tat zunächst eine Ausschließlichkeit zwischen “Freizeit” und “Schule” zu bestehen. Kinder und Jugendliche können in den Augen – oft auch der Eltern - nur entweder das eine oder das andere haben, “Schule” oder “Freizeit”.
Auch auf Seiten der Freizeitanbieter - insbesondere auf Seiten der Sportvereine - wird zunächst eine Konkurrenzsituation gesehen: Durch die längere Bindung der Kinder am Nachmittag in der Ganztagsschule bzw. Ganztagsbetreuung sowie durch die Integration von Bewegungs- und Sportangeboten in die Schule werden diese Kinder voraussichtlich zeitlich kaum noch in der Lage - und auch kaum noch motiviert - sein, die Angebote der Sportvereine zu nutzen. Hinzu kommt, dass durch den Ausbau von Sportangeboten im Rahmen der Ganztagsschule kommunale Sportstätten zu Zeiten belegt werden, die vormals den Vereinen zur Verfügung gestanden haben. Sportvereine, die nicht über eigene Sportstätten verfügen – und das sind viele – werden von dieser Einschränkung betroffen sein. Sie würden aber vor Allem dann betroffen sein, wenn - sozusagen im “worst case” - die schulischen Sportangebote von Übungsleitern durchgeführt würden, die beim örtlichen Verein abgeworben worden sind. Damit ergibt sich ein erstes großes Konfliktfeld: Die Angebote von Sportvereinen und Ganztagsschulen im Bereich des Kinder- und Jugendsports rekrutieren die gleichen Zielgruppen und konkurrieren um die Ressourcen Zeit, Raum und Personal.
Aber das ist noch nicht alles: Obwohl starke Überschneidungen in Zielgruppe und Ressourcennutzung bestehen, sind auch die “Produkte” von Schule und Verein sehr unterschiedlich: Sport und Bewegungsangebote an Ganztagsschulen soll nach den Vorstellungen der Politik kein Schulsport sein, sie sind aber auch kein klassischer Vereinssport. Durch die Etablierung von außerunterrichtlichen Sportangeboten an Schulen würde eine neue Säule des Kinder- und Jugendsports aufgebaut werden – eine Mischform aus Schulsport und Vereinssport. Diese Art der Sportausrichtung könnte erhebliche Schwierigkeiten verursachen, da sie nicht in erster Linie dem Sportverständnis von Vereinen entspricht. Um dies zu erläutern möchte ich etwas ausholen und einige grundsätzliche Ausführungen machen:
Sie wissen, dass sich die Kultusministerkonferenz mit Blick auf die Ergebnisse der PISA-Studie auf ihrer Plenarsitzung im Dezember 2001 auf sieben zentrale Handlungsfelder verständigt hat. Handlungsfeld 7 ist dabei dasjenige, um das es hier im Besonderen geht: “Das Handlungsfeld 7 beinhaltet Maßnahmen zum Ausbau von schulischen und außerschulischen Ganztagsangeboten mit dem Ziel erweiterter Bildungs- und Fördermöglichkeiten,...”. Neben dem Ausbau von schulischen Angeboten – also mehr Unterricht - sind damit insbesondere Freizeitangebote im weitesten Sinne gemeint, wie die Äußerungen verschiedener Ministerien auf eine diesbezügliche Frage der Sektion Pädagogische Freizeitforschung und Sportpädagogik der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DgfE) Ende 2002/Anfang 2003 zeigen, Sport ist explizit nicht immer genannt :
Sport als Lebensstilsport und Instrument für Freizeitkarrieren
Wie lassen sich nun diese beiden von mir genannten Konfliktfelder lösen? Welche neuen Aufgaben, welche neuen Chancen könnten sich daraus für die Sportvereine ergeben? Lassen Sie mich auch an dieser Stelle noch einmal grundsätzlicher werden:
In einer vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft geförderten Jugendstudie von 1990 findet sich folgende Aussage: “Im Gefüge aller Freizeitaktivitäten nimmt der Sport einen Spitzenplatz ein: Sportaktivitäten zählen nach dem Musikhören und dem Zusammensein mit Freunden zu den häufigsten Freizeitbeschäftigungen”. Diese für den Sport und für Sportvereine wohlklingende Feststellung wird jedoch von anderen neueren Untersuchungen, zumindest für eine eingegrenzte Altersspanne widerlegt: In der Realität haben bei 14- bis 19-Jährigen z.B. Fernseh- und Videogucken, Computern, Faulenzen, Nichtstun und Ausschlafen oft eine größere Bedeutung als das regelmäßige Sporttreiben; in vielen mir bekannten Studien steht Sporttreiben häufig erst an achter bis zehnter Stelle.
Was Kinder und Jugendliche letztendlich in ihrer Freizeit tun, hängt stark davon ab, wieviel freie Zeit, wieviel finanzielle Ressourcen sie zur Verfügung haben, welche Sozialisation sie durchlaufen haben und was gerade in peer groups “in” ist. Werte wie Selbstverwirklichung, Erfolg und Anerkennung, die sich früher eher über schulische Leistungen oder über den Beruf definieren ließen, haben sich immer mehr in den Freizeitbereich verlagert. Karrieren werden heute bei Kindern und Jugendlichen in der Freizeit gemacht, und die Freizeitkarriere ist für Viele wichtiger als das Andere im Leben. Damit wird klar: Gesellschaftliche Werte werden vermehrt im Freizeit- und Sportbereich gesucht und gefunden. Freizeit, als ergänzende Größe zu Schule und Beruf, dient den Kindern und Jugendlichen zur individuellen Lebensgestaltung und zur Ausbildung eines “eigenen Lebensstils”. Beim Sport – verstanden als Teil der Freizeit - steht entsprechend der Wunsch nach einer Thematisierung der eigenen Bedürfnisse, der Verwirklichung eigener Vorstellungen, nach individueller Interessensverfolgung, Freiheit von Bindung und Verpflichtung, nach Spontaneität und Selbstentfaltung im Vordergrund.
Noch in den 50er und 60er Jahren konnte der Sport als ein stabiles, relativ homogenes System dargestellt werden, das fest in Traditionen eingebunden war und in dem von der Basis bis zur Spitze die gleichen Grundmotive Leistung, Wettkampforientierung und Erfolg dominierten. Bereits in den 70er, verstärkt dann in den 80er Jahren, waren Tendenzen zu beobachten, die den Beginn einer Auflösung dieses Modells signalisierten. Die gegenwärtige Situation ist durch eine Differenzierung der Sportlandschaft in mehrere parallel zueinander existierende und teilweise konkurrierende Sportmodelle gekennzeichnet. Die unterschiedlichen Anbieter auf dem Freizeitmarkt konkurrieren um neue Zielgruppen, bieten veränderte Ausrichtungen und Formen des Sports an und geben damit dem Sporttreiben immer verschiedene, an die entsprechenden Zielgruppen angepasste Sinnorientierungen. Heinemann (1995) spricht in diesem Zusammenhang auch von Auswirkungen des gesamtgesellschaftlichen Wertewandels auf den Sport und macht damit auf einen Bedeutungsverlust von Leistungsorientierung und Leistungsmotivation in allen Altersgruppen aufmerksam. Sport ist danach nur noch ein “gegenwartsbezogenes freudvolles Erleben und die Ausblendung von Alltag, Zukunft und Zweck ”.
Eines kommt noch hinzu: Unter dem Einfluss technologischer Veränderungen wird Bewegung immer stärker eingeschränkt. Zahlreiche aktuelle Studien in Deutschland und in anderen europäischen Ländern zeigen, dass die allgemeinen motorischen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler und das handwerkliche Geschick von Jugendlichen darunter sehr stark leiden. Die Konsequenzen aus den aktuellen gesamtgesellschaftlichen Veränderungen, wie z.B. die verstärkte Mediennutzung, Rationalisierung und Bürokratisierung, führen letztendlich dazu, dass Kinder und Jugendlichen körperlich und geistig nur sehr einseitig gefordert werden.
Die zentrale Frage ist dabei die nach der Form und der praktischen Vermittlung der sportlichen Betätigung von Kindern und Jugendlichen – und hiermit komme ich auf die Frage nach der “neuen Säule” des Kinder- und Jugendsports in der Ganztagsbetreuung zurück. Erzieherische Funktionen des Sports, wie z.B.
das Streben nach dem stetigen Verbessern der eigenen Leistung,
das permanente sich Anpassen an neue Ziele oder
eine gewisse Ausdauer- und Leistungsbereitschaft, Trainingsfleiß und mentale Stärke um mit Misserfolg und Erfolg als Einzelner und als Mitglied eines Teams umgehen zu können,
dies alles sind Attribute, die wir allzu leicht als allgegenwärtig in allen möglichen Formen des Sports voraussetzen. Dies stimmt aber nicht. Denn das heutige Sportverständnis stimmt nicht mehr unbedingt mit den oben genannten Attributen überein. Kinder und Jugendliche haben andere Vorstellungen von Sport und Freizeit, wenn diese zu ihrem “Lebensstilkonzept” und ihrer Freizeitkarriere passen soll – ich habe dies oben ausführlich dargestellt. Die hier nur beispielhaft aufgezählten Eigenschaften und Merkmale des Sports können heute beinahe ausschließlich nur noch im leistungsorientierten Wettkampfsport gefunden werden. Der Freizeitsport, der Trendsport, der Breitensport, den Kinder und Jugendliche vornehmlich in ihrer Freizeit betreiben, den sie suchen um ihren Lebensstil zu definieren, diese Form von Sport, dem eine locker-leichte Freizeit-Mentalität zugrunde liegt und der eher eine unverbindliche Spaßorientierung aufzeigt, kann diese erzieherischen Funktionen nicht erfüllen, und will dies auch gar nicht – und darin liegt gerade sein Erfolg bei Kindern und Jugendlichen begründet.
Neue Aufgaben für die Sportvereine
Für unser Thema heute bedeutet dies:
Wir werden morgen Kinder und Jugendliche haben, die mit einer neuen Form des Sports, mit individuellen Sport- und Bewegungsangeboten in “Bewegung” gebracht werden müssen bzw. wollen. Wir benötigen dazu Experten, Kenner der Szene, die es schaffen, den Kindern und Jugendlichen solche sportliche Bewegung nahe zu bringen. Und in diesem Kontext werden die zukünftigen Herausforderungen im Zusammenspiel von Vereinen und Schulen liegen müssen, denn Schulsportlehrer und –lehrerinnen können dies nicht, und Sportvereine bringen oft nicht das Verständnis für Freizeit-, Trend- und Boomsport auf. Die Situation bedeutet für beide Seiten ein Umdenken: Schule hat sich bisher wenig um die Freizeit gekümmert, Sportvereine sind nicht immer bereit als Freizeitvereine zu fungieren und Freizeitsport anzubieten. Ganztagsschule impliziert jedoch genau dies.
Lassen sie mich zusammenfassen:
Wir setzen mit der Einführung der Ganztagsschule ein ausbalanciertes System außer Kraft und schaffen eine Konkurrenzsituation: Schüler und Schülerinnen, die nachmittags in der Schule sind, können nicht gleichzeitig an den Jugend-Medenspielen des Tennisverbandes teilnehmen, gleiche“Terminprobleme” gibt es in fast allen klassischen Sportarten. Kinder und Jugendliche, die derzeit am werktäglichen Wettkampfbetrieb teilnehmen, werden durch die Ganztagsschule gezwungen auf diese Form von Sport zu verzichten. Ganztagsschule und Ganztagsbetreuung fördert vom Ansatz eher den Freizeitsport, dies wir in den Äußerungen der Länderministerin zur Ganztagsschule und Ganztagsbetreuung deutlich. Weiterhin gibt es Konkurrenzsituationen, da Schule und Verein um gleiche Zielgruppen, Ressourcen und Zeiträume konkurrieren, ebenso um Übungsleiter und Übungsleiterinnen. Hieraus ergeben sich Konfliktfelder, die von beiden Seiten abgearbeitet werden müssen. Zwei wichtige Sachverhalte kommen hinzu:
Viele Kinder und Jugendliche treiben häufig keinen Sport mehr, zumindest spielt Sport in einem gewissen Alter nicht die führende Rolle.
Wenn Kinder und Jugendliche aber Sport treiben, dann ist der Sport von Kindern und Jugendlichen heute nicht mehr unbedingt der Sport, den wir als Erwachsene vor Augen haben. Der Charakter des Sports hat sich verändert, Sport ist zu einem großen Teil zum “Lebensstilsport” geworden. Hierauf müssen beide Akteure, Schule und Verein, in Zukunft eingehen.
Was folgt daraus? Hierzu drei Feststellungen von meiner Seite:
Für die Sport- und Bewegungsangebote an Ganztagsschulen und in der Ganztagsbetreuung muss der “richtige” Sport – im Sinne eines “passenden” Sports – für die Zielgruppe der Schüler in verschiedenen Altersstufen ausgewählt wird. Hierbei ist meines Erachtens wichtig zu bedenken, dass nicht jede Sportform, der “erzieherische” Funktionen zugesprochen wird, den Interessen, Erwartungen und Sinnorientierungen der Schüler entspricht. Freizeitsport ist hier in erster Linie gefragt.
Von Seiten der Sportvereine muss Initiative zur Kooperation ergriffen werden: Die neue Freizeitsport-Säule in der Ganztagsschule muss auf den Kompetenzen der Vereine als außerschulische Sporteinrichtungen aufbauen. Dies bedeutet, dass es eine neue Bringschuld gibt: Die Kinder und Jugendlichen kommen nicht in den Verein, sondern der Verein kommt zur Zielgruppe in die Schule.
Die Sportvereine müssen ihre Aufgabe auch darin sehen, sich den neuen Anforderungen des Wertewandels im Sport noch flexibler zu stellen, als bisher: Die kooperierenden Vereine müssen ihr Portfolio erweitern. Produkte wie Fußball und Tennis – als klassische Vereinssportarten – können nur ein Baustein der Kooperation sein. Hinzukommen müssen aktuelle Sport- und Bewegungsangebote aus dem Bereich der Trendsportarten, Streetsport, Erlebnissport, etc. Wettkampforientierter Sport muss in Zukunft flexibel in Kooperation zwischen Schulen und Sportverbänden organisiert werden.
Damit bin ich am Schluss angelangt. Ich denke, ich habe mit meinen Ausführungen für genügend Gesprächsstoff gesorgt.